Die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg

Ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Neugründung des MGV Algund. Diese kam durch die Initiative des Spenglermeisters Franz Kofler zustande.

Die Wiederaufnahme der Tätigkeit belegen auch entsprechende Eintragungen im Kassabuch (Aufnahmegebühr, Monatsbeiträge, Spenden u.a. Eingänge). Durch großzügige Spenden von unterstützenden Mitgliedern und Gönnern konnte auf diese Weise das marode Konto
saniert werden. 1947 betrug die Aufnahmegebühr in den Verein 100 Lire pro Kopf. Der Verein zählte wieder 18 Mitglieder.

Zu den regelmäßigen Unterstützern und Gönnern des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg zählten: Elise Leiter (Prackbäuerin), Anton Martin (Egenbauer), Josef Waldner (Obsthändler), Ing. Alois Fuchs (Brauerei Forst), Josef Haller (Sägewerk), Hans Gamper (Bürgermeister),
Mathias Kiem-Stickler sen. und andere.

Im Jahr 1947 wurden im Kassabuch 50 Vereinsabzeichen a 120 Lire pro Stück als Ausgabe verbucht.

Hatten Musikkapelle und Kirchenchor den musikalischen Teil des Algunder Kulturlebens unter schwierigsten Voraussetzungen kontinuierlich bewältigt, so gesellte sich nun wieder der Männerchor dazu. Mit Lehrer Karl Wachtler als Chorleiter hat er sich reorganisiert und konnte in kurzer Zeit ein ansehnliches Niveau erreichen.

Am Silvesterabend 1946 trat der neu gegründete Verein erstmals wieder öffentlich auf, und zwar anlässlich einer sehr gut besuchten Feier in der Gastwirtschaft des Brauhauses Forst.
Die Darbietungen des Männerchores und des Doppelquartetts fanden – laut Bericht der Tageszeitung „Dolomiten” vom 07.01.1947 Nr.4 – den „herzlichsten Beifall der Zuhörer“.

Immer laut Kassabuch erzielte der Verein damals einen stattlichen Betrag von 54.353 Lire als Reingewinn.

 

Nicht weniger interessant und aufschlussreich über das blühende Vereinsleben ist der Bericht der Tageszeitung „Dolomiten” vom 14. Februar 1950 über die Generalversammlung des MGV. Darin heißt es unter anderem:

„Vor kurzem fand im Gasthof „Zum Hirschen“ die Generalversammlung des Algunder Männergesangvereines statt. An erster Stelle der Tagesordnung stand die Verlesung des Tätigkeitsberichtes über das abgelaufene Vereinsjahr 1949. Der Bericht gab einen Überblick über die rege Tätigkeit des Vereines. Es seien hervorgehoben: Aufführung der Feist-Messe im Kloster Steinach am 3. April 1949; Gesangsvorträge des Doppelquartetts anlässlich des Frühlingsfestes des Katholischen Arbeitervereins Meran; Gesangsvorträge des Doppelquartetts anlässlich des Gartenfestes zu Gunsten der Kirchenrenovierung von St. Peter ober Gratsch am 26. Juni; Gesangsvorträge des Doppelquartetts anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Katholischen Arbeitervereins Meran (Gesellenhaus); weiters eine Reihe von Gratulationsständchen für bekannte und verdiente Mitbürger, wie auch Gesangsvorträge bei verschiedenen festlichen Gelegenheiten.”

 

In den 1950er Jahren war das Doppelquartett des MGV besonders gefragt.
Von links nach rechts: Konrad Gorfer, Willi Mitterhofer, Alfons Holzmann, Adolf Dejori, Josef Huber, Franz Rechenmacher, Meinrad Tappeiner, Josef Leiter.

 

 

Eine Aufnahme des MGV vom Südtiroler-Sängerbund-Treffen 1950 im Meraner Kursaal. Am Dirigentenpult steht Karl Wachtler als Chorleiter.

 

 

Im Mai 1950 wurde der Vereinsgründer Zeno Plack zu Grabe getragen. Im Nachruf vom 15. Mai 1950 finden sich zahlreiche Hinweise auf die selbstlose Tätigkeit des Verstorbenen, der als „wahrer Edelmann“ in die Annalen der Vereinsgeschichte eingegangen ist. Auch findet sich der Hinweis, dass der MGV ein „ergreifendes Grablied“ für seinen edlen Förderer und Gönner gesungen hat.

Am 28. Oktober 1951 fand die Einweihung des neuen Kriegerdenkmales im neuen Friedhof im Ortsteil Mühlbach statt. Nach der Enthüllung und Segnung der Gedenksstätte durch Pfarrer Hermann von Stenizer folgten ein Spruch und das Charakterstück „Den Namenlosen“ von J. Ed. Ploner, gespielt von der Ortskapelle. Die Festrede war dem damaligen Regionalratspräsidenten Dr. Silvius Magnago - selbst ein Kriegversehrter - anvertraut worden. Ein Lied des Männerchores leitete über zur formellen Übergabe des Denkmales, zum Ausdruck gebracht durch eine kurze Rede von Franz Kofler sen.. Zur Kranzniederlegung spielte die Musikkapelle die Weise: „Ich hatt’ einen Kameraden“.

Zu einer fixen Einrichtung wurde für eine bestimmte Zeit in den 1950er Jahren die traditionelle Weihnachtsfeier des MGV Algund, welche meistens in der „Bahnhofrestauration” Algund stattfand. Die Feier hatte – laut Berichten – den Charakter einer Familienfeier und war daher bei der Bevölkerung sehr beliebt.
1951 wurde bei dieser Gelegenheit das Lied „Schloss Thurnstein“ von Willi Lösche, Text von Robert Pan uraufgeführt.

 

Die Weihnachtsfeier 1952 musste ohne den bewährten Chormeister Karl Wachtler bestritten werden, der leider nicht mehr in Algund seinen Dienst versah.
Karl Wachtler kam 1945 als Lehrer nach Algund und übernahm gleichzeitig den Dienst als Organist und Leiter des Kirchenchores. Der an der päpstlichen Musikhochschule in Rom Ausgebildete war ein hervorragender Musiker. Als kurze Zeit später Luise Trenkwalder als Organistin nach Algund kam, widmete er sich dem wiedergegründeten Männergesangverein, den er bis 1952 betreute. Der gebürtige Pfalzner wirkte ab 1961 bis zu seinem Tod im Jahre 1999 in St. Lorenzen. Für seine hervorragende Tätigkeit im Dienste der Musik erhielt er als Vertreter Südtirols die Ambrosius-Medaille des Cäcilien-Verbandes der deutschen Sprache. Er war auch Vertreter unserer Diözese in der österreichischen Musikkommission. Während seines Wirkens erlebte das Algunder Musikleben einen deutlichen Aufschwung. Algund wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

Neuer Chorleiter wurde der bereits seit 1950 als Obmannstellvertreter fungierende Gemeindearzt Dr. Josef Paregger.
Der vom Ritten stammende Dr. Paregger trat 1948 die Stelle als Gemeindearzt von Algund und Partschins an. Zeit seines Lebens - von frühester Jugend bis ins hohe Alter - war ihm die Musik ein wahres Lebenselexier. Als Kind von elf Jahren saß er in Unterinn bereits am Orgelbock. In Brixen war er Schüler des berühmten Ignaz Mitterer und mit seiner schönen Knabenstimme schon Solist am Domchor. Ältere Algunder bestätigen: der junge Doktor war ein Glücksfall für Algund. Seine vorzüglichen medizinischen und musikalischen Talente hielten sich die Waage. Er stellte sich uneigennützig den Vereinen zur Verfügung . Eine zeitlang leitete er den Kirchenchor. Speziell zu besonderen Anlässen tat er sich als meisterhafter Dirigent hervor und spielte nicht selten selbst an der Orgel. Und damit nicht genug, leitete er noch den in bester Erinnerung gebliebenen Mädchenchor. Kurzum, die Vielseitigkeit von Doktor Paregger - sei es als Dirigent, Sänger oder Organist - wird heute noch bewundert. Überall, wo es galt, musikalische Qualität zu fördern und Begeisterung zu wecken, war der Doktor zur Stelle.

 

 

In den Jahren 1958 bis 1964 scheinen im Kassabuch keine Eintragungen mehr auf; dies ist wohl ein Hinweis darauf, dass es in dieser Zeit wahrscheinlich keine regelmäßige Tätigkeit mehr gegeben hat. Möglicherweise steht dies auch in Zusammenhang mit einem Wechsel des Chorleiters. Im März 1957 findet sich nämlich folgender Eintrag im Kassabuch: „An Chormeister Brugger für acht Gesangsproben a 500 Lire bis inklusive 13.03.57 4000 Lire (bezahlt)“.

Ab den 1960er Jahren werden die Aufzeichnungen über den Männergesangverein Algund immer spärlicher.

Im Jahr 1962 löst Luis Pfitscher aus Gratsch Kornrad Gorfer als Obmann ab. Mündlich dokumentiert sind aus dieser Zeit Auftritte bei kirchlichen Feiern und zu verschiedenen Anlässen, wie Hochzeiten (z. B. jene von Bürgermeister Hans Gamper, Franz Haller, Franz Leiter, Bruthendler, Walter Dissertori), bei Begräbnissen usw..

In der Zeit der Obmannschaft von Luis Pfitscher fand auch jährlich der traditionelle Ball des Männerchores statt; 1962 bei Tona Waldner im Bahnhofsrestaurant Algund im Beisein des Gönners Josef Hölzl sen. (Freienfeld), damals Präsident des Raiffeisenverbandes Südtirol, in den Jahren 1963 und 1964 beim Maratscher in Plars.

Die Vereinstätigkeit wurde auch damals bereits in großzügiger Weise von verschiedenen Institutionen, wie der Gemeinde, der Raiffeisenkasse Algund und von Privaten unterstützt. Ein besonderer Gönner des Vereins war für längere Zeit Toni Martin vom Egenhof.

Die Zeit der Gelegenheitsauftritte

Im Zeitraum 1965 bis 1980 scheint es keine regelmäßige Vereinstätigkeit gegeben zu haben. Für Gelegenheitsauftritte wurde bei Bedarf ein Männerchor zusammengestellt und die jeweiligen Kirchenchorleiter bzw. Organisten wurden gebeten, den Chor zu leiten, unter anderem – wie bereits erwähnt – Luise Trenkwalder, Dr. Paregger, Kooperator Zelger und Otto Ploner.

Von den Mitgliedern her gesehen ist der Algunder Männerchor seit eh und je eng mit dem Kirchenchor von Algund verbunden: gute 80% der Männerstimmen des Pfarrchores sind auch Mitglieder des Männerchores.

Am Ostermontag 1965 gab der Männerchor ein Konzert, bei dem unter anderem folgende Lieder gesungen wurden: Hymne an den Gesang, Frühlingszeit, Lied von Thurnstein, Die stille Wasserrose, Der Maientag. Nach der Pause gab man noch die lustigen Lieder Der Glockenjodler, Die Labbiater, Die Kindstaf (Kindstaufe) zum Besten.

Ein weiterer Auftritt unter Leitung von Willi Lösche fand am 15. Oktober 1966 im Saal der Raiffeisenkasse statt.

Ab 19. Dezember 1975 berichtete die Tageszeitung „Dolomiten” über eine Geburtstagsfeier der 40-jährigen Algunder folgendes:

„Unter dem Motto „Mit 40 wird der Tiroler g’scheit” versammelten sich kürzlich die Algunder und Algunderinnen des Jahrganges 1935, um gemeinsam die Vollendung des vierzigsten Lebensjahres gebührlich zu feiern. Der Tag begann mit einem Dankgottesdienst in der neuen Pfarrkirche. Pfarrer Josef Chronst zelebrierte die Messe und begrüßte die rund dreißig noch recht jungen Jubilare. Durch die Mitwirkung des Männerchores von Algund erhielt der Gottesdienst einen besonders festlichen Rahmen. …”

Ab Mitte der 1970er Jahre wurden die Auftritte des MGV allerdings immer spärlicher und das Vereinsleben dürftiger, sodass es neuer Impulse bedurfte.